Bericht vom dritten Platform Coops Berlin Meetup

Uber, AirBnB, Amazon, Google und Co. – all diese Plattformen standen bislang alternativlos dar. Doch was die kapitalistisch funktionierenden Unternehmen können, schaffen bald auch mehr und mehr ihre demokratisch organisierten Pendants. Diese „Plattform-Kooperativen“ bieten zukunftsgerichteten Menschen und Organisationen erstmals die Möglichkeit, sich unabhängig von den etablierten Internetkonzernen zu organisieren – und bilden nun auch in Deutschland ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung.

Veranstaltungsrahmen

Die Veranstaltung „Platform Coop Meetup“ fand am 29.01.2018 von 15-18 Uhr im SUPERMARKT Berlin statt, am gleichen Ort wie beide Male zuvor auch. Der SUPERMARKT wurde vor sieben Jahren von Ela Kagel, David Farine und Zsolt Szentirmai gegründet und hat seit Beginn einen engen Bezug zur Berliner Kultur- und Kreativszene.

Peter Hartmann und Markus Kollotzek haben teilgenommen, um über die aktuellen Entwicklungen in der Platform Coop Szene zu berichten – für Außenstehende und Interessierte, die nicht teilnehmen konnten.

Eingang vom SUPERMARKT Berlin

Warum Meetups?

Im September des vergangenen Jahres hatten wir bereits an einem Meetup teilgenommen und darüber berichtet.

Zur Erinnerung: Platform Coops sind demokratisch gesteuerte Businesses in Gemeinschaftsbesitz – also Plattformen / Apps / Internetseiten zum Verkaufen, Teilen oder Tauschen von Ressourcen, z.B. Know-How, Daten, Fahrdienste, Räume, Material, usw.

Die regelmäßig stattfindenden Meetups sind dafür gedacht, den Austausch unter den deutschen Platform Coops zu fördern und schrittweise eine gemeinsame Struktur zu schaffen. Dafür braucht es regelmäßige Kommunikation, um eine kollektive Einigkeit zu schaffen, die allen nützt.

Arbeitsgruppe zum Thema stukturierter Support im Gespräch

Was bisher geschah

Das letzte Meetup fand am 28.11.2017 statt, hier konnten wir leider nicht teilnehmen. Auch diese Veranstaltung wurde im SUPERMARKT Berlin durchgeführt und von Ela Kagel moderiert. Die Teilnehmerzahl war zwar kleiner als beim ersten Meetup im September, dennoch wurden aber damals angestoßene Impulse weiterentwickelt.

Besonders wichtig zu erwähnen ist, dass speziell für die Platform Coop Bewegung ein Magazin #CoopsViadrina entstanden ist, das dieses noch relativ neue Thema ganz konkret und bildhaft erklärt. Das in einem studentischen Projekt an der Europa-Universität Viadrina entstandene Magazin porträtiert auch die wichtigsten Player der Szene. Auch das Thema „Smart City“ findet darin Platz und hebt dabei besonders hervor, dass auch solche Projekte immer demokratisch und gemeinnützig ausgerichtet sein sollten. Das Magazin gibt es in einer optisch ansprechenden Printversion und hier als kostenlose Online-Version im Internet.

Foto der Zeitschrift #CoopsViadrina

Ablauf der Veranstaltung

Die Veranstaltung wurde von Ela Kagel und Thomas Dönnebrink moderiert. Auf der Agenda standen drei Punkte:

  • Vorstellungsrunde
  • Barcamp
  • Auswertung

In der Vorstellungsrunde kam jedeR der 24 TeilnehmerInnen zu Wort. JedeR konnte sich vorstellen und etwas über seine/ihre Organisation erzählen. Insbesondere wurden die Ziele und Herausforderungen der Organisationen erfragt. Jede Person hat ein Post-It ausgefüllt, das anschließend auf einem großen Flipchart verortet wurde. Hierbei sollte ein angestrebtes Platform-Coop-Ecosystem visualisiert werden, das in seiner Grundstruktur bereits durch Ela und Thomas vorbereitet und im Prozess erweitert wurde.

Platform Coops Ecosystem und die darin verorteten Organisationen / Menschen

Anschließend gab es auch einen kurzen inhaltlichen Einschub, um das Platform Coops Magazin „#CoopsViadrina“ zu präsentieren (s.o.)

Für das Barcamp waren die TeilnehmerInnen gefragt – über welche Themen wollen wir hier gemeinsam sprechen, die dazu beitragen können, eine gemeinsame Struktur für die deutschen Platform Coops zu schaffen.

Es wurden vier Themen gefunden:

  • 1. Gemeinsame Strategie / Platform-Coop-ID
  • 2. Struktur & Support
  • 3. Coin-Einführung
  • 4. Internationale Entwicklungen

Im Anschluss wurde den Gruppen eine Stunde zur Verfügung gestellt, um sich ihrem Thema zu widmen.

Das Team zur Einführung einer Coin für die deutschen Platform-Coops im Gespräch

Nach dem einstündigen Austausch wurden die Ergebnisse eingesammelt und in einer großen Runde von dem jeweiligen Team präsentiert.

Als Ergebnis des ersten Teams wurde der Beschluss gefasst, eine WECHANGE-Gruppe zum Austausch von Daten und Informationen der unterschiedlichen Platform Coops zu erstellen. Bislang wurden meist E-Mail-Listen erstellt und es gab keine Möglichkeit, Dokumente und Dateien zentral abzulegen oder gemeinsam zu bearbeiten. Durch den Einsatz von WECHANGE gibt es nun eine Möglichkeit, einfacher miteinander zu kommunizieren und zu arbeiten:  https://wechange.de/group/platform-coop-network/

In der Gruppe „Struktur & Support“ wurden zunächst Fragen gesammelt, die die anwesenden Platform Coops beschäftigen. Hierbei sind die fünf Hauptbereiche Governance, Ressourcen, Geschäftsmodell, Finanzierung und Rechtliches identifiziert worden. Diese Fragensammlung stellt eine Grundlage dar, um die Bedarfe der Platform-Coops in eine strukturierte Form zu bringen und gezielter angehen zu können. Diese Sammlung ist von Alexandre Sourzac-Lami auf Trello veröffentlicht worden. Ein weiteres Ergebnis dieser Gruppe ist eine Folgeveranstaltung im März, in der die strukturierte Unterstützung von Platform-Coops vorangebracht werden soll.

Fragen zur Unterstützung von Platform Coops, gruppiert nach Themenblöcken

Die Gruppe „Coin-Einführung“ diskutierte die Möglichkeiten, eine eigene digitale Währung für die Platform-Coop-Bewegung einzuführen. Karim Chabrak nutzte dazu die Gelegenheit, sein Projekt „COINSENCE“ vorzustellen – eine Plattform, die es möglich macht, eigene Community-Währungen zu schöpfen.

In der Gruppe zum Thema „Internationale Entwicklungen“ wurde festgestellt, dass Deutschland nicht oder besonders aktiv in der Europäischen Genossenschafts-Bewegung vertreten ist. Mit Blick auf Frankreich wurde festgestellt, dass es dort einfacher ist, eine Genossenschaft zu führen. Dort ist diese Rechtsform deutlich weiter verbreitet – insbesondere Freiberufler- und Mitarbeitergenossenschaften sind in Frankreich schon seit längerer Zeit etabliert.

Nächste Schritte

Am Ende der Veranstaltung wurde eine Timeline für das kommende Jahr mit wichtigen Events für die Platform-Coop-Bewegung befüllt. Hier kamen 12 Veranstaltungen in Deutschland und international zusammen, die noch in der WECHANGE-Gruppe veröffentlicht werden.

Im Nachgang zur Veranstaltung wies Trebor Scholz (Initiator der Platform-Coops-Bewegung) auf die bevorstehende Onlinestellung des Platform Cooperativism Consortium China hin. Ende September wird übrigens eine Platform Coop Conference in Hong Kong stattfinden.

Das m4h-Lab 2018 wurde auch mit aufgenommen, wodurch WECHANGE und Ecobasa spontan zugesagt haben, dort einen Hackathon zu veranstalten um den Quellcode ihrer Plattform zu überarbeiten und zu veröffentlichen.

Timeline – Sammlung von anstehenden Terminen für 2018

Organisationen und Vertreter vor Ort

Insgesamt waren ca. 24 TeilnehmerInnen vor Ort. Folgende Organisationen wurden durch sie vertreten:

Unser Fazit

Ela und Thomas haben die Veranstaltung wunderbar moderiert und für eine solide Struktur gesorgt. Im Gegensatz zu den anderen Veranstaltungen mit Fokus auf technischen Themen, an denen wir oft teilnehmen, war das Geschlechterverhältnis ziemlich ausgewogen. Allgemein kann man sagen, dass es eine produktive und positive Arbeitsatmosphäre gab. Wir haben das Gefühl, dass das Thema Platform Coops zunehmend Konturen bekommt und die Community stetig wächst.

Was wir allerdings auch bemerkt haben ist, dass drei Stunden für einen tiefen Austausch knapp bemessen sind. Die Vorstellungsrunde hat recht viel Zeit in Anspruch genommen, war aber gleichermaßen eine Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Für die Zukunft würden wir uns ein längeres Meetup wünschen, um genug Raum für inhaltliche Arbeit und persönliche Gespräche zu gewährleisten.

Trotz der knappen Zeit sind erstaunlich produktive Ergebnisse erzielt worden. Wir sind auf den weiteren Prozess sehr gespannt.

 

Foto: Markus Kollotzek & Logo illustriert von Joy Lohmann

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