Bericht vom Platform Coops Berlin Meetup

green net project war zu Gast beim Platform Coops Berlin Meetup am 20.09.2017.
Ein Erfahrungsbericht von Peter Hartmann und Markus Kollotzek.


Was sind Platform Coops?

Laut englischsprachigem Wikipedia-Eintrag ist eine Plattform-Kooperative:

„A platform cooperative, or platform co-op, is a cooperatively-owned, democratically-governed business that uses a protocol, website or mobile app to facilitate the sale of goods and services.“

Übersetzung: eine Plattform-Kooperative oder Platform Coop ist ein demokratisch gesteuertes Business in Gemeinschaftsbesitz, das ein Protokoll, eine Website oder Mobile-App nutzt, um den Verkauf von Gütern und Leistungen zu ermöglichen.

Als Begründer der Bewegung gilt der Kultur- und Medien-Professor Trebor Scholz von der New Yorker Universität „The New School“. Seine Motivation: eine positive Alternative zu den fragwürdigen Entwicklungen von Silicon Valley und Co. zu schaffen. Hierbei kritisiert er vor allem, dass die sog. „Sharing Economy“ aufgrund der bestehenden Marktlogik nach und nach monopolosiert und durch kapitalhungrige Investoren betrieben wird. Hierbei rückt der Gedanke des Teilens zunehmend in den Hintergrund, insbesondere Arbeitsverhältnisse haben darunter zu leiden. Gemeinschaftlicher Besitz und demokratische Organisationsstrukturen sind hier noch lange nicht etabliert.

Er ruft auf: „Es ist jetzt an uns, […] eine demokratische und solidarische Online Economy zu schaffen.“

Platform-Coops in Deutschland

In Deutschland gibt es bereits genossenschaftlich organisierte Plattformen, u.A. WECHANGE (www.wechange.de) oder Fairmondo (www.fairmondo.de). Um die deutsche Bewegung auch in Deutschland weiterhin zu stärken, fand nun zum zweiten Mal eine Veranstaltung in Berlin statt.

Eingeladen hatten Supermarkt Berlin und WECHANGE. Ziel dieses Meetups war es, eine deutsche Platform-Coop-Initiative ins Leben zu rufen und zu starten. Nächste Schritte sollten definiert werden (s.a. http://www.supermarkt-berlin.net/event/platform-coop-berlin-meetup/).

Die Veranstaltung

Teilgenommen haben ca. 20 Menschen aus der ganzen Welt und unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Kulturschaffende, Betreiber von Co-Working-Spaces, Medienagenturen, IT-Experten, Journalisten usw. waren da. Darunter waren auch einige Vertreter von deutschen Platform-Coops (WECHANGE).

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden Themenfelder eingesammelt. Es fanden sich vier Gruppen, um folgende Fragestellungen zu klären:

  • „Platform Coop-ID“: Produkte und Dienstleistungen für Platform-Coops
  • Welche Praktiken und Aktivitäten unterstützen eine kooperative Arbeitsweise (Patterns und Stories teilen)?
  • Finanzierung
  • Kultur-Coops / Kulturelle Freiräume

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden anschließend präsentiert. Nach unserer Beobachtung war der Arbeitsprozess erstaunlich produktiv und sehr gut moderiert.

Als ein Resultat aus den Arbeitsgruppen wurde man sich einig, dass die sogenannte Platform Coop-ID (vorläufiger Arbeitstitel) nützlich und greifbar ist.

Platform Coop ID

Der grundlegende Impuls hierfür wurde von WECHANGE gegeben. Ludwig und Verena waren die Hosts einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema. Unter diesem Begriff ist folgendes zu verstehen:

„Produkte und Dienstleistungen für die Initiatoren von Platform-Coops zur Verfügung stellen, um deren Entwicklung zu unterstützen“

Die Körperschaft dahinter kann dann entweder eine eigenständige Genossenschaft sein, oder es kann an einer bestehenden angedockt werden. Die Produkte und Dienstleistungen werden einerseits durch die Coops selbst eingebracht und geteilt. Andererseits müssen ggf. Büroräume oder Kunsträume angemietet werden. Die Kosten würden dann durch eine Mitgliedschafts- oder Nutzungsgebühr gedeckt.

Angedacht wurde eine Coop-ID in Form eines gemeinschaftlichen Ressourcenpools, wo die Genossenschaften ihr Know-how und ihre Ressourcen (Räume, Tools, Netzwerke) anbieten können, um so einen geldfreien Austausch zu ermöglichen.

Thema war auch die Unabhängigkeit von ökonomischen Sachzwängen, bspw. wurden geldfreier Austausch, die Nutzung von Alternativwährungen (z.B. FairCoin) und der Kauf von Immobilien (vgl. Mietshaussyndikat) angedacht.
Es wurden auch digitale Tools genannt, die hierbei zum Einsatz kommen könnten – z.B. ein WordPress-Blog, eine Landkarte (Mapping) der Platform-Coops, ein digitaler Ressourcenpool, Schnittstellen zu WECHANGE als Kollaborationsplattform etc.

Um so ein Angebot zu formulieren, stellt sich zu Beginn die Frage nach  Zielgruppe(n) und Bedarf. Es gab auch die Erkenntnis, dass zunächst eine Recherche betrieben werden muss (wer braucht was / wer hätte was gebraucht), ehe daraus ein konkretes Angebot erstellt werden kann. Der Schritt danach wäre dann die Erstellung eines Prototypens auf Basis des dringlichsten Bedarfes.

Für die Umsetzung wird noch nach Unterstützung und Finanzierung gesucht.

Unser Fazit

Die Veranstaltung fanden wir sehr belebend und haben uns über interessante Gäste aus aller Welt gefreut. Auch den Arbeitsprozess empfanden wir als fruchtbar und fließend.

Was es aus unserer Sicht noch bräuchte, wären konkrete nächste Schritte in Richtung der „Gründung einer Platform Coop Deutschland-Plattform“, wie es im Einladungstext hieß. Bislang wurden dafür keine verbindlichen Vereinbarungen getroffen. Offen sind somit die nächsten Termine und Mitwirkenden.

Wir freuen uns trotzdem darüber, dass es einige Menschen und Initiativen gibt, die sich für das Thema interessieren und wir hoffen, dass im Zuge dessen auch eine eigene Körperschaft in Deutschland entstehen kann.

Dieser Themenbereich ist hochspannend. green net project wird auch weiterhin über die Aktivitäten berichten.

Um der Bewegung weiter zu folgen, lohnt sich die Teilnahme an einer der folgenden Veranstaltungen:

Weitere spannende Materialien sind auf dem Blog der Kick-Off-Veranstaltung zu finden: https://platformcoopsgermany.wordpress.com/

Um Kontakt zur deutschen Bewegung der Platform-Coops zu knüpfen, kann folgendes Kontaktformular genutzt werden: https://platformcoopsgermany.wordpress.com/contact/


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