DumondaMe – Frage-Antwort-Plattform für zukunftsfähige Lebensstile

Welche Wohnformen sind zukunftsfähig? Wie sieht die Organisation von morgen aus? Wie kann ein Leben ohne Geld funktionieren? DumondaMe ist eine Plattform, auf der gezielt Fragen zu diesen und weiteren gesellschaftsrelevanten Themen gestellt und beantwortet werden können.

Wir haben ein Interview mit dem Schweizer Roger Waldvogel geführt. Er hat DumondaMe initiiert und beschreibt uns im Detail, wie es funktioniert.

Roger Waldvogel – unser Interviewpartner und Initiator von DumondaMe
Roger Waldvogel ist Informatikingenieur und der Initatior von DumondaMe. Es ist für ihn eine Herzensangelegenheit, dass die neuen Technologien zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt werden. Diese Zielsetzung war für ihn die Hauptmotivation, um das Projekt DumondaMe ins Leben zu rufen.
Dumonda bedeutet auf Rätoromanisch ‚Frage‘ und Me hat auf Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch die Bedeutung ‚mich‘. DumondaMe = Frage mich

Update 05.06.2019: Aktuell läuft eine Crowdfunding-Kampagne für DumondaMe. Hier lässt sich das Projekt noch bis zum 30.06. unterstützen.

Beschreibe in max. drei Sätzen das Projekt, an dem Du gerade arbeitest.

DumondaMe ist ein soziales Netzwerk, bei dem die Frage-Antwort-Funktionalität im Mittelpunkt steht. Die Kernidee ist, dass man zu gesellschaftsrelevanten Themen eine Frage stellt – z.B. „Welche Wohnformen sind zukunftsfähig?“ – und verschiedene Antworten erhält, welche nicht nur textbasiert sind, sondern auch Links zu Webseiten, Bücher, Videos oder Organisationen beinhalten.

Nutzt Du eine bestehende Plattform-Lösung oder entwickelst Du etwas eigenes? Und warum hast Du diese Entscheidung getroffen?

Es handelt sich bei DumondaMe um eine Neuentwicklung, da bisherige Plattform-Lösungen nicht meinen Ansprüchen entsprachen. Ich habe zunächst einige bestehende Netzwerke angesehen, ob man darauf aufbauen oder möglicherweise mitmachen könnte. Ich fand jedoch kein Projekt, welches zu der Idee passte, die ich im Kopf hatte.

Was ist der Zweck der Plattform, die Du aufbaust?

Fundierte Informationen zu gesellschaftsrelevanten Themen einfacher zugänglich zu machen, ist einer der Schwerpunkte dieser Plattform. Das bedeutet, dass Hintergrundwissen und Lösungsvorschläge in kurzer Zeit gefunden oder zusammen mit anderen erarbeitet werden können. Die Inhalte auf der Plattform sollen aber auch inspirieren und zum Nachdenken anregen, wie eine leuchtende Zukunft aussehen könnte.

Screenshot der Internetseite von DumondaMe

In welchem Stadium befindet sich die Plattform (Idee, Prototyp, fertiges Produkt)?

Die Plattform ist mehr als nur ein Prototyp, denn das Grundgerüst ist solide gebaut. Was es jetzt braucht, sind weitere aktive User_innen und mehr Bekanntheit. Wir haben es als Beta-Version betitelt, da DumondaMe produktiv anwendbar ist, aber noch einige Funktionen fehlen. Zudem werden wir das Design und die Benutzerfreundlichkeit weiter verbessern.

Für welche Zielgruppe ist die Plattform gedacht?

DumondaMe soll Interessierte dabei unterstützen, gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für alle zu gestalten. Vorerst sind unsere Zielgruppe Menschen, welche sich gesellschaftsrelevante Fragen stellen oder sich mit konkreten Lösungsansätzen für die Herausforderungen unserer Zeit beschäftigen. Zunächst fokussieren wir in der Umsetzung auf den deutschsprachigen Raum, danach möchten wir die Plattform um Englisch, Französisch und Italienisch erweitern.

Wie erreichen die Plattform-Entwickelnden ihre Benutzer_innen?

Wir sind im Moment ein Team von fünf Leuten. Gemeinsam haben wir ein sehr großes Netzwerk im Umfeld des sozial-ökologischen Wandels. Mit der Unterstützung dieser Kontakte möchten wir möglichst viele interessierte Menschen auf die Plattform aufmerksam machen.

Wie groß ist die Community der Plattform und wie aktiv ist diese?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind knapp 315 Leute registriert. Aktiv Inhalte erstellen aktuell erst einige wenige. Die Interaktionen auf der Plattform nehmen stetig zu, trotzdem braucht es noch einiges an Arbeit, um eine aktive Community aufzubauen.

Hat die Plattform einen thematischen Schwerpunkt?

Wir haben uns für 11 Hauptthemenbereiche entschieden, die wir als Schwerpunkte definiert haben. Natürlich kann dort noch etwas hinzugefügt werden, aber es sollte möglichst übersichtlich bleiben.

Was sind die Kernfunktionen der Plattform?

Das Beantworten von Fragen mithilfe von Videos, Büchern, Links, Organisationen und eigenen Texten ist eine Kernfunktion der Plattform. Ein wichtiger Teil dieser Funktionalität ist das Liken von Antworten. Durch das Liken können die Antworten nach Relevanz sortiert werden. Auf diese Weise muss nicht stundenlang gescrollt werden, bis die interessantesten Beiträge gefunden werden.

Ein weiteres wichtiges Konzept ist der Trust Circle. Die Idee dahinter ist, dass ich meinem Trust Circle Personen hinzufügen kann, deren Meinung ich schätze. Schaue ich mir eine Frage an, kann ich nach den Beiträgen filtern/sortieren, welche von Personen aus meinem Trust Circle erstellt oder bewertet wurden. Das wird vor allem dann interessant, wenn es sehr viele verschiedene und/oder kontroverse Antworten gibt. Auf diese Weise erkenne ich schneller, was Personen, denen ich vertraue und deren Expertise ich kenne, zu einer Fragestellung denken. Diese Funktion ist jedoch im Moment noch nicht umgesetzt. Da die Plattform am Anfang steht und die Inhalte relativ überschaubar sind, ergibt die Umsetzung erst zu einem späteren Zeitpunkt Sinn. Dann ist diese jedoch umso wichtiger, da ansonsten schnell der Überblick verloren geht. Der Trust Circle hat aber eine weitere wichtige Funktion. Wie bei anderen sozialen Netzwerken sehe ich in meinem persönlichen Feed, welche Fragen Personen aus meinem Trust Circle stellen, liken oder beantworten. In diesem persönlichen Feed wird mir zudem angezeigt, wenn Antworten für Fragen erstellt wurden, welche ich abonniert habe. So bleibe ich stets auf dem Laufenden, was im Netzwerk geschieht.

An dieser Stelle möchte ich die Engagements nicht unerwähnt lassen. Engagements sind bei DumondaMe Organisationen, Projekte oder zum Beispiel der offene Stammtisch, der sich Mittwochabends trifft, um über ein Thema zu debattieren. Die Engagements können auch als Antwort mit einer Frage verlinkt werden. Auf diese Weise wird ersichtlich, welche Initiativen sich mit einer konkreten Fragestellung beschäftigen. Die Funktionalität für die Engagements werden wir in Zukunft zunehmend ausbauen, damit Organisationen ihre Seite nutzen können, um mit der DumondaMe Community aktiv in Kontakt zu bleiben.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Plattform?

Die Kombination der Frage/Antwort-Funktionalität mit sozialen Netzwerkfunktionen, wie man sie z.B. von Facebook kennt, und dem Fokus auf gesellschaftsrelevante Themen ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal der Plattform. Speziell hervorzuheben gilt es hier auch, dass Organisationen als Antwort mit einer Frage verlinkt werden können. Auf diese Weise sehen die Benutzer_innen, welche konkreten Projekte zu einer Fragestellung existieren.

Gibt es ähnliche Plattformlösungen / Mitbewerber?

Human Connection geht in eine ähnliche Richtung. Sie verwenden jedoch eher den Facebook-Ansatz. DumondaMe ist bezüglich der Funktionalität eher bei Quora einzuordnen, die stark im englisch-sprachigen Raum vertreten sind.

Spräche denn etwas dagegen, die bestehenden Fragen bei Quora oder Gutefrage.net einzufügen?

Gutefrage.net und Quora sind keine gemeinnützigen Organisationen und zudem nicht Open-Source. Das sind Punkte für mich, die unter anderem dagegen sprechen. Ein weiteres Problem ist aus meiner Sicht, dass die bestehenden Frage-Antwort-Plattformen thematisch sehr breit gestreut sind. Dadurch wird es schwieriger, die wirklich gesellschaftsrelevanten Fragen zu finden. Wir wollen uns auf gesellschaftsrelevante Fragen fokussieren und somit eine Plattform bereitstellen, welche interessierten Menschen den Austausch auf diesen Gebieten erleichtert.

DumondaMe ist aber nicht nur eine Frage/Antwort-Plattform. Organisationen werden in Zukunft, ähnlich wie bei Facebook und Co, ihre News posten können. Interessierte Benutzer_innen werden so über die Aktivitäten der Organisationen auf dem Laufenden gehalten.

Wie ist der technische Aufbau der Plattform? Ist die Plattform eine Open-Source-Lösung?

Genau, bei DumondaMe handelt es sich um eine Open-Source-Lösung (Link zum Quellcode). Die Umsetzung ist überwiegend JavaScript-basiert (Node.js, Vue.js, Nuxt.js). Bei der Datenbank setzen wir auf Neo4j – eine Graphdatenbank, welche die vielen direkten Beziehungen in einem solchen sozialen Netzwerk performant abbilden kann.

Hat die Plattform Schnittstellen?

Rein theoretisch könnten die Fragen und Antworten bereits per REST-API bezogen werden. Ich müsste den Vorgang nur dokumentieren. Sobald die Plattform etwas stabiler ist, werden wir dies je nach Bedarf umsetzen.

Wie ist das Geschäftsmodell der Plattform?

Im Moment werden wir hauptsächlich von Stiftungen unterstützt. Im Juni startet das Crowdfunding, mit welchem wir sicherstellen wollen, dass wir die wichtigen Ziele dieses Jahres erreichen können. Wie wir uns in Zukunft ethisch verantwortungsvoll finanzieren werden, evaluieren wir aktuell und sind offen für Vorschläge.

Was ist die Historie der Plattform?

Das erste Mal tauchte der Gedanken für eine solche Plattform im November 2013 auf. Zu Beginn war es mehr ein Gefühl, dass es ein neuartiges, soziales Netzwerk braucht. Eines, welches die Möglichkeiten des Internets weiter ausschöpft und die Gemeinnützigkeit an erste Stelle setzt. Bei meinen Recherchen fand ich jedoch keine Plattform, welche dieser Vorstellung entsprach. Aus diesem Grund begann ich mit einer Eigenentwicklung und kündigte im Oktober 2014 meinen Job als Softwareingenieur. Im Rückblick würde ich die ersten zwei Jahre nach meiner Kündigung vor allem als eine Zeit der Selbstfindung beschreiben. Zum ersten Mal machte ich mir wirklich ernsthafte Gedanken bezüglich meines Lebens. Aus diesem Prozess heraus entstand jedoch ein immer klareres Bild, wie die Plattform aufgebaut werden und was sie bewirken soll.

Ab Ende 2016 wagte ich endlich den Schritt ins Außen mit meiner Idee. In dieser Phase lernte ich viele Menschen kennen, welche sich mit großem Engagement für einen ökologischen und sozialen Wandel einsetzen. Das hat mich zutiefst beeindruckt. Zudem unterstützte mich Roman Kümin auf ehrenamtlicher Basis ab Anfang 2017, um das Projekt weiter voranzutreiben. Im 2017 entstand außerdem eine Kooperation zwischen Transition Zürich, Wandel.jetzt und mir, um den Transition-Connect-Service umzusetzen. Trotz meines zeitintensiven Engagements im Jahr 2017 für Transition Connect war es mir ein wichtiges Anliegen, mein Hauptprojekt weiter voranzutreiben. Damit dies möglich wurde, beantragten wir finanzielle Unterstützung bei verschiedenen Stiftungen. In dieser Phase wurde mir plötzlich klar, dass die Frage-Antwort-Funktionalität ein Hauptbestandteil der Plattform sein sollte. Zu jenem Zeitpunkt hatte das Projekt mehr Ähnlichkeit mit Google+ und ich fand es äußerst schwierig, gezielt nach Informationen zu suchen. Dies würde mit der Zuordnung von Beiträgen zu mindestens einer Fragen deutlich verbessert. Ende 2017 erhielten wir eine großzügige finanzielle Unterstützung vom Kulturpark Zürich, welche uns die Weiterentwicklung ermöglichte.

Im Jahre 2018 begann der Komplettumbau der Plattform. Ich verwarf etwa 70 Prozent des Codes und entwickelte eine neue Version. Zudem ergänzten Kim und Jeannine Anfang 2018 das Team. Die neue Version der Plattform testeten wir im August 2018 mit 17 Personen im Kulturpark Zürich. Am 12. Dezember 2018 war es dann endlich soweit, dass die Plattform eine Stabilität erreichte, welche den Start einer öffentlichen Beta-Version ermöglichte. Seither nimmt das Projekt immer mehr Fahrt auf, auch wenn es noch einiges zu tun gibt.

Wer steht hinter der Plattform?

Entwickelt und betrieben wird die Plattform vom gleichnamigen Verein. Unser Team besteht momentan aus fünf Personen, wobei ich Vollzeit an diesem Projekt arbeite. Finanziell werden wir hauptsächlich vom Kulturpark Zürich und der Corymbo Stiftung unterstützt. Als Organisationsmodell verwenden wir die Soziokratie.

Das Team hinter DumondaMe

Wo ist die Geschäftsstelle der Plattform?

Der Sitz des Vereins ist in Zürich.

Wünschen sich die Macher_innen der Plattform Unterstützung?

Für uns ist es wichtig, dass wir eine aktive Community aufbauen können, welche regelmäßig neue Inhalte generiert, auch wenn die Plattform noch nicht perfekt ist. Erst dann entfaltet die Plattform ihre Wirkung und wir erhalten zudem wertvolles Feedback, wie die Plattform genutzt wird.

Kooperieren die Macher_innen der Plattform mit weiteren Partnern?

Unser Haupt-Kooperationspartner ist der Kulturpark Zürich. Der Ausbau der Kooperation mit weiteren Partnerorganisationen steht jedoch sehr weit oben auf unserer Prioritätenliste.

Was sind die nächsten Schritte für die Plattform?

Ein Fokus liegt im Moment darauf, die Benutzeroberfläche intuitiver und ansprechender zu gestalten. Ein weiterer wichtiger Schritt wird die Crowdfunding-Kampagne sein, welche wir im Juni 2019 durchführen. Außerdem wollen wir die Kooperation mit weiteren Organisationen vorantreiben, die Community aufbauen und die Bekanntheit dieses Projektes in der Öffentlichkeit steigern.

Warum, denkst Du, braucht die Welt DumondaMe?

Wenn wir die Welt zu einem besseren Ort machen möchten, ist dies nur gemeinsam möglich. Das Internet bietet die unglaubliche Chance den Informationsaustausch zu gesellschaftsrelevanten Themen zu demokratisieren bzw. zu vereinfachen. Dazu braucht es aber das richtige Tool, damit dieses Medium effektiv genutzt werden kann. DumondaMe bietet diese Funktionalität und stellt dabei das Gemeinwohl ins Zentrum.

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