makers4humanity Lab 2018 – Unser Erlebnisbericht

Beim m4h-Lab in Ferropolis kamen ca. 120 ChangemakerInnen zusammen um sich zu vernetzen und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Wir waren nicht nur vor Ort, sondern auch Ko-Veranstalter. In diesem Artikel berichten wir, wie es war.

Veranstaltungsrahmen

Das diesjährige makers4humanity-Lab fand über Pfingsten (18.-21.05.2018) erneut in Ferropolis statt. Dieser Ort ist ein Freiluftmuseum des Anthropozäns, ein Baggerfriedhof und grandioser Festivalstandort zugleich.

Bei der Veranstaltung waren ca. 120 TeilnehmerInnen der deutschsprachigen Wandelbewegung vor Ort.

Das green net project ist als Ko-Veranstalter aufgetreten. Wir (Peter und Markus) haben Eindrücke gesammelt, die wir in diesem Bericht zusammengefasst haben. Denn unser Anliegen ist es, dass die Außenwelt von dem Geschehen und den dort angestoßenen Prozessen erfährt.

Alter Braunkohlebagger am Tagebausee von Ferropolis

Warum gab es ein Maker-Lab?

Der Aufruf zum Maker-Lab enthielt den folgenden Beschreibungstext:

Interdisziplinäre (Change)Maker* treffen sich Pfingsten zu einem dreitägigen ZukunftsLabor. Die Akteure des gesellschaftlichen Wandels vergleichen ihre Positionen, Ideen und Praktiken, um ein l(i)ebenswertes Zukunftsbild zu entwickeln. Arbeitsteilig kooperativ kann diese Zukunft gelingen und gemeinsam vor Ort gefeiert werden.

Die Absicht des Maker-Labs ist somit, soziales Kapital und Ressourcen kollektiv zu bündeln und einzuladen, an neuen Prototypen und Konzepten zu arbeiten.

Vereinfacht ausgedrückt – man will ein gemeinsames Zukunftsbild entwickeln, denn wenn man gemeinsam an dem Wandel arbeitet, ist man glücklicher, produktiver und effizienter.

Nebenbei lernt man zahlreiche gleichgesinnte MakerInnen und Projekte kennen und es werden neue Synergien zwischen diesen angestoßen.

Initiiert wurde das Format Maker-Lab von der Bewegung makers4humanity, deren Trägerverein der Hannoveraner Positive Nett-Works e.V. ist. Das diesjährige Event wurde zudem von weiteren Ko-Veranstaltern unterstützt, u.a. Ökoligenta, Karte von morgen, Open Source Ecology und Human Connection.

Themengruppe „Plattform Coops“ im Freien

Wer war alles dabei?

Es waren ca. 120 Menschen vor Ort, die zahlreiche Organisationen vertreten haben. Diejenigen, die wir spontan in Erinnerung haben, sind hier kurz aufgelistet, um den LeserInnen einen kurzen Überblick zu geben:

  • Art of Cooperation
  • Cradle to Cradle
  • FairCoop
  • fairkom
  • Forum Freie Lastenräder
  • Human Connection
  • kartevonmorgen
  • Lindentaler
  • Ökodorf Sieben Linden
  • Open Source Ecology
  • Transition Netzwerk
  • Unavision
  • Wandel.jetzt
  • u.v.m.

Ablauf der Veranstaltung

Der erste Tag war der Tag des Ankommens mit geselligem Abend bei Lagerfeuer und kulturellem Rahmenprogramm.

Offizieller Beginn der Veranstaltung war der Samstag. Nach einem ersten Warm-Up und Kennenlernen wurde ein Markt der Möglichkeiten eröffnet. In der großen Veranstaltungshalle konnten die TeilnehmerInnen dort ihre Projekte mit Postern und Anschauungsmaterialien präsentieren.

Im Anschluss fand ein Barcamp statt. Hier wurden etwa 20 Themen gesammelt, die in verschiedenen Räumen bearbeitet wurden. Die Themenauswahl war recht breit – hier ging es um Ökodörfer / Gemeinschaftsprojekte, um digitale Vernetzung, aber auch um die großen Fragen „Hindernisse des Wandels“ und Kooperationen im Allgemeinen.

Nachmittags wurden Themengruppen gebildet. Die 10 Themenbereiche wurden im Vorfeld von den OrganisatorInnen bekanntgegeben, so dass die meisten TeilnehmerInnen bereits eine Präferenz für ein Thema hatten.

Wir haben folgende zwei der 10 Arbeitsgruppen näher beleuchtet: „Netzwerk & Strategie“ und „Plattform Coops“.

Die beiden darauffolgenden Tage verbrachten wir überwiegend in den Themengruppen. Allmorgendlich gab es einen Warm-Up und zwischendurch Plena. Als spektakuläres Highlight fand die Präsentation einer schwimmenden Plattform (Open Island) statt, einem Prototyp für die Nutzung der Wasseroberfläche als offenen Lebens- und Gestaltungsraum. Dieses Projekt hat starken Symbolcharakter, wenn man bspw. die steigenden Meeresspiegel betrachtet, aber auch Themen wie Selbstversorgung und Modularität.

Während aller Veranstaltungen wurde eine Kinderbetreuung angeboten, bei der die jungen ChangermakerInnen z.B. Seedbombs gebastelt haben.

Treffen am Strand für den Stapellauf der schwimmenden Plattform

Inhalte der Themengruppen

1. Vernetzung & Strategie

Ziel der Gruppe war es, gemeinsame Strukturen für die Wandelbewegung zu entwickeln. Dabei ging es um organisatorische Strukturen und Strategien der Kooperationen. Auch das Thema „gemeinsames Narrativ“ wurde angesprochen.

Die Diskussionen in der Gruppe waren sehr kontrovers, brachten aber einige Ergebnisse hervor. Unter anderem einigte man sich auf die Rolle der Integratoren, die es braucht, um organisationsübergreifende Vernetzung zu ermöglichen.

Teilgenommen haben neben unserem Trägerverein „Freie Kommunikation und nachhaltiger Lebensstil“ (vertreten durch Andreas Sallam) auch RepräsentantInnen von „Art of Cooperation“ (Yasmin Dorfstetter und Hansi Herzog), „Wandelgestalten“ (Frieder Jacobi) und „Ökoligenta“ (Bobby Langer), sowie viele weitere spannende AkteurInnen.

Im Herbst ist ein erneutes Treffen im Dreiländereck Deutschland / Österreich / Schweiz geplant. Inhalt soll der Aufbau gemeinsamer Strukturen sein.

2. Plattform Coops

In dieser Gruppe haben sich zahlreiche VertreterInnen von digitalen Vernetzungs-Plattformen und Tools versammelt, um Synergiemöglichkeiten untereinander zu erkunden. Ausgangspunkt der Arbeitsgruppen ist, dass die bestehenden Vernetzungsplattformen im Vergleich zu ihren etablierten Pendants noch ein Nischendasein führen und darüber hinaus oftmals Insellösungen sind. So wird teilweise unbeabsichtigt um NutzerInnen und Fördermittel konkurriert. Daher stand die Frage im Raum, wie die Communities, Tools und Plattformen zu einem größeren digitalen Ökosystem zusammenwachsen können.

Folgende Organisationen waren u.a. vertreten: actree.org, allmende.io, ecobasa.org, faircoin, fairkom, Human Connection, Karte von morgen, Wandel.jetzt und WECHANGE.

Übersicht aller bekannten Karten, Tools und Communities der Plattform-BetreiberInnen vor Ort

Die Arbeitsgruppe hat damit begonnen, alle ihr bekannten Plattformen, Tools und Communities auf einem großen Papierbogen zu visualisieren. Im Zuge des Prozesses kristallisierten sich dabei zwei Schwerpunkte heraus:

1. Datenaustausch unter den Plattformen

Die TeilnehmerInnen haben die Vision entwickelt, mithilfe von Schnittstellen plattformübergreifende Datennutzung zu ermöglichen – um eine größere Sichtbarkeit und Reichweite zu erzielen. Jemand, der bspw. auf WECHANGE eine öffentliche Veranstaltung einträgt, freut sich darüber, wenn dies automatisch auch auf Human Connection und Co. sichtbar wird.

Für diesen Datenaustausch wurden zwei Möglichkeiten besprochen – der direkte Austausch von Daten (mit Tendenz zu Standardprotokollen wie z.B. CalDAV) und der Austausch mittels Transition Connect (einem Tool mit einer offenen Schnittstelle).

2. Gemeinsames Log-In

Roland Alton von fairkom präsentierte zunächst die Login-Lösung „fairlogin“ und lud dazu ein, eine föderierte Lösung zu entwickeln; fairlogin kann hierbei ein Ausgangspunkt sein, der in alle Richtungen erweiterbar ist.

Weitere Themen

Ursprünglich geplant war noch ein Austausch über rechtliche Belange hinsichtlich Datenaustausch, vor allem im Kontext der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dazu kam es aufgrund der knappen Zeit leider nicht mehr.

Die TeilnehmerInnen waren sich darin einig, dass der Prozess weiter geführt werden soll. frekonale (also unser Trägerverein) und Art of Cooperation haben sich dazu bereit erklärt, den Raum für mindestens ein Jahr zu halten, um die Kommunikation kontinuierlich zu gewährleisten. Die PlattformbetreiberInnen selbst wollen ihren Schwerpunkt eher auf ihre Projekte legen und sehen sich weniger dazu in der Lage, plattformübergreifende Prozesse aktiv zu betreuen.

Auf lange Sicht wünschen sich die TeilnehmerInnen daher die Schaffung einer gemeinsamen Servicestelle. Deren Aufgabe wird es sein, gemeinsame Termine und die Kommunikation untereinander zu koordinieren. Weitere Aufgaben, z.B. Fundraising, wurden auch angedacht, aber nicht hoch priorisiert. Eine bislang ungeklärte Frage ist, welche Rechtsform eine derartige kollektive Unterstützungsorganisation haben sollte.

Es wurden Termine für den nächsten Austausch vereinbart. Der nächste anstehende Termin ist Anfang Juli per Videokonferenz und im Herbst ist ein persönliches Treffen angedacht.

Der Austausch der Plattform-MacherInnen war sehr aktiv.

Nächste Schritte

Voraussichtlich wird ein „kleines“ Maker-Lab im Herbst stattfinden. Genauere Informationen sind uns bislang nicht bekannt.

Einige Themengruppen haben intern nächste Schritte vereinbart. In WECHANGE haben die Gruppen ihre Dokumentationen abgelegt und können in entsprechenden Projekten untereinander kommunizieren. Menschen, die nicht am m4h-Lab teilnehmen konnten, sind herzlich dazu eingeladen, sich in die Projekte einzuklinken.

Und im nächsten Jahr wird es voraussichtlich ein erneutes m4h-Lab in Ferropolis geben.

Unser Fazit

Die Kulisse von Ferropolis – mit dem großen Tagebausee und den gigantischen Braunkohlebaggern – hat uns sehr beeindruckt. Auch das Wetter hat die meiste Zeit mitgespielt. Die Unterbringung in Wohncontainern bzw. Zelten war relativ komfortabel, der See hat zum Baden eingeladen.

Das Publikum war gut gemischt (Frauen und Männer, Altersgruppen und berufliche Hintergründe).

In fast allen Themengruppen fand ein reger Austausch statt und es wurden Wissen gesammelt und Visionen entwickelt. Uns ist allerdings nur von den beiden artverwandten Themengruppen „Vernetzung & Struktur“ und „Plattform Coops“ bekannt, dass diese ihren Arbeitsprozess weiterführen wollen. Einige Themengruppen kamen nicht zustande bzw. wurden im Laufe der Tage wieder aufgelöst.

Sehr spannend waren auch die Ergebnisse der Gruppe „Neue Ökonomie / zukunftsfähige Produkte“, bei denen Themen angesprochen wurden, über die wir zuvor in unserem Blog berichtet hatten (bspw. Open Source Ecology, faircoin).

Die Arbeitsprozesse in den Themengruppen waren ziemlich geschlossen, d.h. für die Außenwelt nur eingeschränkt live erlebbar. Es gab den Impuls, dies beim nächsten Mal interaktiver zu gestalten, damit Interessierte am Geschehen mitwirken können – also per Video zuschauen und aus der Ferne Feedback geben. Beim diesjährigen m4h-Lab standen zwar einige Zoom-Räume für Videokonferenzen zur Verfügung, wurden aber nicht effektiv genutzt.

Besonders haben wir uns darüber gefreut, dass endlich zahlreiche PlattformvertreterInnen zu einem Austausch an einen Tisch kamen. Ihr Einigungsprozess über potenzielle Synergien und Schnittstellen war erstaunlich entspannt und einfach.

Initiator Joy Lohmann hisst ein Banner von makers for humanity.

Für das nächste Maker-Lab würden wir uns wünschen, dass folgende Bereiche mehr Unterstützung erfahren: Kinderverpflegung, Küchenteam und Kunst/Gestaltung.

Was einigen TeilnehmerInnen auch gefehlt hat, ist eine große gemeinsame Vorstellungsrunde, damit die Menschen mehr voneinander erfahren.

Auch wurde der Wunsch geäußert, beim nächsten Maker-Lab eine prominente Person des öffentlichen Lebens als SpeakerIn einzuladen, um auch die breite Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Das könnte helfen, den öko-sozialen Wandel zum Mainstream zu machen.

Es wurde viel ehrenamtliches Engagement vom Organisationsteam eingebracht. Das möchten wir an dieser Stelle besonders wertschätzen!

Trotz aller Vorbereitungen musste vor Ort noch viel improvisiert werden, was dem Ganzen einen lebhaften Charakter gab. Mit wachsender Erfahrung erhoffen wir uns aber für die nächsten Veranstaltungen, dass die Zeitabläufe verbindlicher gestaltet werden, damit kein Chaos entsteht. Im Zuge einer Professionalisierung des m4h-Labs könnten auch z.B. Shuttledienste klarer organisiert werden – vielleicht lässt sich dafür ein Team aufstellen.

Einige TeilnehmerInnen haben sich auch gewünscht, mehr Zeit in den Themengruppen und weniger in der großen Runde bei Plena und Moderationen zu verbringen. In den großen Runden ist eine aktive Beteiligung schwieriger möglich und es besteht die Gefahr, sich mitunter zu langweilen.

Alles in allem hat dieses Maker-Lab aus unserer Sicht einiges bewirkt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es deutlich mehr TeilnehmerInnen (damals waren es 50). Es gab viele neue Gesichter und die große Veranstaltungshalle wurde erstmals zugänglich. Diejenigen, die sich bereits kannten, konnten sich noch besser kennenlernen. In der entspannten Atmosphäre kann man die Entwicklung der Wandelbewegung live erleben.

Wir freuen uns auf die nächste m4h-Veranstaltung im kommenden Jahr!

5 Antworten auf „makers4humanity Lab 2018 – Unser Erlebnisbericht“

  1. Danke für diesen schönen Erlebnisbericht!
    Auch das Orga-Team kam zu einer positiven Bilanz und freut sich schon auf das makers4humanity-Lab 2019, vermutl. vom 7.-10.6. wieder in Ferropolis.
    Ahoi von Joy.

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