Aufruf zur Bildung eines organisationsübergreifenden Netzwerks

Die gegenwärtigen Herausforderungen sind allen bekannt, die sich mit den aktuellen Entwicklungen in Gesellschaft, Umwelt und Technik beschäftigen. Ohne diese hier nochmal im Einzelnen darzustellen, soll nur darauf hingewiesen werden, dass sich auf allen Ebenen der Gesellschaft etwas ändern muss. Eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Situation findet sich in der Potsdamer Denkschrift (http://alt.vdw-ev.de/index.php/de-DE/arbeitsfelder-der-vdw/gesellschaftl…(link is external))

Seit Vielen die Grenzen und Verletzlichkeit unseres Planeten bewusst wurden, sind immer mehr Initiativen entstanden, die den Versuch unternehmen, Alternativen für ein System zu finden, das sich beinahe nur durch Wachstum und Beschleunigung am Leben hält.

Fazit

Seit der Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ durch den Club of Rome im Jahr 1972 wurden unzählige NGOs ins Leben gerufen, die sich mit nachhaltiger Entwicklung und Umweltschutz beschäftigen. Zwar hat sich mit all diesen Aktivitäten bei vielen das Bewusstsein geändert, aber die Weltgesellschaft als ganze konnte zu keinem konsequenten Richtungswechsel bewegt werden.

Bislang fehlt ein Gemeinschaftsgefühl, das alle AkteurInnen des Wandels weltweit miteinander in Kontakt bringt. Und es fehlt ein für alle akzeptabler, niederschwelliger Rahmen, der die vereinzelten Aktivitäten der Organisationen lokal wie global verbindet.

Wie lässt sich das erreichen?

Mit dem Internet ist vieles möglich geworden. Das Web 2.0 hat Vernetzungstools geschaffen und damit ein Potenzial, das viele genutzt haben, um zum Beispiel alternative Communitys im Internet zu gründen. Es geht dabei um die Vernetzung von Akteuren des Wandels auf nichtkommerziellen Plattformen. Uns bekannte Plattformen auf nationaler Ebene sind Stadtmacher.org und wechange.de sowie auf internationaler Ebene co-munity.net, Friendica und Diaspora. Wir freuen uns, von weiteren, ähnlich gelagerten Projekten zu erfahren.

Was fehlt noch?

Leider benutzen selbst diese Tools von einander abweichende Plattformtechnologien. Was fehlt, sind Übersicht und kompatible Schnittstellen, um ein organisationsübergreifendes Vorgehen überhaupt zu gewährleisten. Immerhin besitzen die Web-2.0-Technologien das Potenzial, die organisationsübergreifende Vernetzung auch im physisch realen Raum auf eine neue Stufe zu heben.

Was weiterhin fehlt, ist eine unabhängige, strukturbildende Organisation, die koordiniert und moderiert, die kollaborative Schnittstellen zwischen Politik, Wissenschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und Technologie organisiert und die Reallabore* fördert.

Wie können die nächsten Schritte aussehen?

Um die Akzeptanz für gemeinsame nächste Schritte herzustellen, gilt es, möglichst viele Akteure des Wandels konkret miteinander ins Gespräch zu bringen. Dafür sind verschiedene Formate denkbar, zum Beispiel regionale Impulstreffen** und europäisch und später global ausgerichtete Vernetzungstreffen. Das Ziel dieser Treffen kann sein, eine allen dienende und von allen getragene Koordinationsstelle zu schaffen, die sich thematisch nicht einmischt, sondern nur strukturbildend, moderierend und unterstützend wirkt.

Was soll konkret erreicht werden?

  • Von allen Akteuren akzeptierte und mitgetragene Kommunikationsmittel.
  • Herstellung und Verbesserung von Synergien.
  • Verknüpfung zwischen einzelnen Organisationen zur gemeinsamen und vielleicht auch besseren Nutzung wichtiger Ressourcen (Verwaltung, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Know-how, Finanzierung).
  • Zusammenführung und evtl. Weiterentwicklung bestehender Instrumentarien, Technologien und Praktiken.
  • Erleichterung für das Entstehen weiterer Reallabore.
  • Prozessunterstützung bei der Akquisition von Fördermitteln.
  • Grundlagen für Basis-Presseverteiler und mediale Präsenz.
  • Beratung und technische Unterstützung bei digitalen Problem- und Fragestellungen.

Wer soll diesen Prozess moderieren?

Diese ambitionierte Aufgabe kann nur eine unabhängige Koordinierungsorganisation leisten. Für diese Zwecke wurde das green net project gegründet, das vom gemeinnützigen „Verein für freie Kommunikation und nachhaltiger Lebensstil“ getragen wird. Das green net project wird sich der Herausforderung annehmen, die komplexen Schnittstellen zwischen den bestehenden Organisationen des Wandels gemeinsam mit den Akteuren zu entwickeln und zu moderieren. Tatsache ist, dass die Organisationen selbst diese übergreifende Aufgabe aufgrund ihrer thematischen Festlegung nicht wahrnehmen können.

Wie kann ich mich einbringen?


* Reallabore 
sind kollaborative Plattformen, die nicht nur den Wandel organisieren. Sie können bestehende Entscheidungsebenen in Politik und Wirtschaft ergänzen bzw. ganz ersetzen. Dabei werden vorhandene Hierarchieebenen, Entscheidungsstrukturen und Reglementarien zu einem neuen konstruktiven Konsens zusammengeführt.

** Impulstreffen
konkrete Umsetzungs-IDEENBegonnen wird mit einer Reihe regionaler Impulstreffen in sechs regionalen Schwerpunkten des Landes. Dabei sollen die regionalen Akteure des Wandels aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammenkommen. Diese zweitägig angesetzten Veranstaltungen sollen selbst ein partizipatives Gemeinschaftsprojekt mit hohem Mehrwert für alle beteiligten Akteure sein.Denkbar erscheint hier eine direkte Zusammenarbeit mit der lokalen Coworking-Szene, die neben ihrem Know-how auch ihre Räumlichkeiten für zwei Tage zur Verfügung stellen könnte. In der Regel handelt es sich um flexible Räumlichkeiten, die sich für verschiedene Veranstaltungsformate eignen. Andere Möglichkeiten sind Lebensgemeinschaften, Institute, Hochschulen und Veranstaltungszentren generell.Eine mögliche Idee wäre ein zweitägiges Barcamp in Form einer Schnittstellen schaffenden Zukunftswerkstatt mit mehreren dezentralen Arbeitsgruppen. Organisationen lernen sich kennen, tauschen sich aus, eruieren strukturelle und/oder inhaltliche Gemeinsamkeiten. Es bilden sich Themen-Cluster wie Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, zwischenmenschliche Kontakte, Fundraising, Plattformtechnologie, Kollaboration, Austausch und Support für digitale Themen. Es können vor Ort lokale Projektentwicklernetzwerke geknüpft werden, die Visionen zu Projekten weiterqualifizieren. Alle Akteure, denen diese Themen ein Anliegen sind, bekommen die Gelegenheit, sich einzubringen.Mit der Zeit werden in der jeweiligen Region kollaborative Netzwerke entstehen, die sich ortsunabhängig und flexibel organisieren. Diese lokal orientierten Koordinationskreise werden die oben genannten Themen aufgreifen und in den Alltag tragen. Auch werden diese Ko-Kreise multilaterale Dialogprozesse zwischen Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufbauen und aufrecht erhalten.
Der KoKreis wird in diesem Prozess als Vernetzer, Entwicklungstreiber und Impulsgeber gesehen, der zum aktiven Teilnehmer im Stadtgeschehen wird. Das ist der Weg von der klassischen Bürgerbeteiligung zur aktiven Kollaboration.Nutzwert für alle beteiligten Akteure

Die neu entstandenen Projektentwicklernetzwerke funktionieren völlig anders als herkömmliche Verwaltungs- und Managementverfahren, die noch ziemlich regel- und hierarchiegebunden sind. Davon profitieren vor allem die HauptnutzerInnen, die Organisationen des Wandels wie beispielsweise die Transition-Town-Initiativen, Soziale-Ökonomie-Bewegung, Fairtrade-Organisationen und weitere regionale Akteure. Auch Innovationsdienstleister wie Wissenschaftler, Kreative und Startups bekommen im Entscheidungsprozess mehr Gestaltungsraum. Die Implementierung von kulturellen, sozialen und technologischen Innovationen erhält Auftrieb.

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