Interview mit Ela Kagel und Thomas Doennebrink von Platform Cooperativism

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Immer mehr Menschen und Organisationen sind der Ansicht, dass Wirtschaft und Produktion demokratisch funktionieren sollte, um die UN-Nachhaltigkeitsziele zu garantieren.

Die neue green net project- Interviewreihe möchte sich daher den Projekten widmen, die an demokratischen bzw. kooperativen Wirtschaftsformen arbeiten, diese teilweise auch schon praktizieren.

Diese Akteure entwickeln seit einigen Jahren Methoden, Werkzeuge, Plattformen und Tools, die Grundlagen schaffen sollen dafür, dass die Gesellschaft nach dem Vorbild des Urban Village-Projekts Lebensfelder wie Arbeit, Wohnen, Bildung, Mobilität und Ernährung demokratisch verwaltet und nachhaltig gestaltet.

Die neuen Interviews sind kürzer und fokussierter gehalten und werden ca. alle 6-8 Wochen wiederholt, damit die Welt stets von dem aktuellen Entwicklungsprozess des jeweiligen Projektes erfährt.

Zu den Interviewspartnern:

Ela Kagel gründete vor sechs Jahren den Berliner Supermarkt, eine zentrale Anlaufstelle für Kulturakteure in Berlin. Seit rund 20 Jahren hat sie an zahlreichen Plattformen und Projekten sowohl in Berlin als auch international federführend mitgearbeitet. Als Digitalstrategin berät sie heute Kunden aus Kultur und freier Wirtschaft und moderiert Workshops und Konferenzen zu Innovations- und Technologieprozessen.

Thomas Doennebrink ist als OuiShare.net Connector für Berlin und Deutschland damit beschäftigt, die Collaborative Economy in diesem Land zu promoten und zu vernetzen und ist gern auf der Suche nach Abenteuer und umsetzbaren Modellen für eine nachhaltige Zukunft.

Beschreibt in max. 3 Sätzen das Projekt, an dem Ihr gerade arbeitet.

Ela: Wir bauen Plattformgenossenschaften (Platform Coops) auf, damit die Leute digital und transnational arbeiten können. Im Kern geht es um demokratische Arbeitsformen und eine kooperative Wirtschaftsform.

Wie können wir die Grundlagen für eine kooperative Wirtschaftsform entwickeln?

Thomas: Dafür brauchen wir andere Methoden und auch andere Werkzeuge als bisher bekannt. Und wir brauchen eine andere Kultur mit positiven Narrativen. Vor allem sollte man keine Panik verbreiten.

Seid Ihr in Kooperation mit anderen Organisationen, die möglicherweise in Euren Bereichen aktiv sind? Wünscht Ihr Euch mehr Kooperationen mit bestimmten Organisationen?

Ela: Kooperationen sind wichtig, aber nicht immer einfach im jetzigen Kapitalsystem. Kooperationen brauchen zudem viel Zeit und Kraft. Da sind die Herangehensweisen der zahlreichen Akteuren aus der alternativen Szene zu unterschiedlich. Diese haben ganz verschiedene Kulturen, Ansichten und mitunter zu viel Hierarchien. Wir streben nach Kooperationen auf Augenhöhe, die sinnstiftend und effizient ausgerichtet sind. Unter anderem kooperieren wir mit Smart.de, Fairmondo und Freelancer.

Thomas: Wir verstehen uns selber als einen dynamischen Knotenpunkt, in dem spontan neue Kooperationen entstehen. Auch arbeiten wir mit traditionellen institutionellen Partnern zusammen.

Habt Ihr einen konkreten Appell an die Gesellschaft?

Ela: Da haben wir ganz viele – um nur einige zu nennen: die fridaysforfuture-Thematik, neue Experimentierfelder aufbauen, Privilegien sowie überflüssigen Luxus und die damit einhergehenden sinnlosen Belastungen (Verbrauch von Zeit und Lebenskraft) aufgeben, keine Verzichtsdebatten führen,

Thomas: Ganz ohne Verzicht geht es aber auch nicht. Zudem halten viele Menschen an ihrem Geld und Status fest wie z.B. Staatspräsidenten und Wirtschaftsführer. Dadurch werden demokratische und nachhaltige Strukturen verhindert. Daher sollte die Gesellschaft versuchen, selber die Verantwortung der Daseinsvorsorge in die Hand nehmen.

Welche Plattformlösungen braucht es aus Eurer Sicht, mit der sich ein faires Wirtschaftssystem organisieren lässt? Inbegriffen Wasserwerke, Müllabfuhr, Stadtplanung, Energieversorgung etc.?

Ela: Da sollte man vorsichtig sein. Nicht eine Lösung funktioniert 100-prozentig. Daneben braucht es auch soziale Protokolle, es braucht echtes Vertrauen. Am besten funktionieren Ökosysteme unterschiedlicher Komplexitäten mit einer Vielzahl an Lösungen. Das führt in der Regel zur konstruktiven Selbstor-ganisation. Mit Interesse verfolgen wir derzeit die Entwicklungen des FairCoin (faire Kryptowährung für ein kooperatives Wirtschaften) und der Plattform Coinsence.org (soziales Netzwerk mit digitalen Währungen).

Thomas: Es geht darum: Was braucht es für Lösungen konkret hier und jetzt? Masterpläne funktionieren nicht.  Eigentlich geht es auch um spriruelle und soziale Themen.

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