Erlebnisbericht von der 3. Wandel-IT-Konferenz

Viele Organisationen, die den Wandel zum guten Leben für alle unterstützen, haben IT-Bedarfe. Wie lassen sich Internetseiten umsetzen? Welche Tools zur Verwaltung gibt es? Wie ermöglichen wir die Kommunikation in unserer Community?

Organisationen wie z.B. Transition Netzwerk, Global Ecovillage Network, usw. haben erkannt, dass ihre Bedarfe an IT-Lösungen ähnlich gelagert, wenn nicht sogar übereinstimmend sind. Um die Bedarfe untereinander abzugleichen und potenzielle Service- und Lösungsanbietende auszuloten, wurde ein Wochenendworkshop in Kassel durchgeführt.

Die 3. Wandel-IT Konferenz fand am 1. Mai-Wochenende in Kassel statt und wurde von DIGITAL BUILDERS initiiert. Diesmal wurde gemeinsam eine Bedürfnis-Landkarte für Wandel-IT-Dienstleistungen erarbeitet.

Insgesamt nahmen 14 Personen teil, davon einige als Repräsentant*innen von Wandel-Organisationen, sowie einige IT-Anbietende. Neben der Seite der Wandel-Organisationen, die ihre Bedürfnisse äußerten, waren auch einige Anbietende vertreten:

Im ersten Schritt wurde genau erfasst, welche IT-Services die Organisationen konkret brauchen. So lässt sich mehr Orientierung für die Anbieterseite schaffen. Im Zuge dessen ist aufgefallen, dass die Transition Initiativen, Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, Global Ecovillage Network Deutschland und die deutschsprachige Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung ähnliche, sich überschneidende Bedarfe haben. Dies war ein wichtiger Schritt, um diese von allen Organisationen zu verschriftlichen und öffentlich zu dokumentieren.

Während der Konferenz wurden drei Arbeitsgruppen gebildet.

1. Arbeitsgruppe Wissensmanagement

Hier ging es um generelle juristische Themen wie z.B. die Erstellung von FAQs mit Suchmaschine / Knowledgebase und den Austausch von Wissen. Überlegt wurde, wie man dieses rechtliche Wissen so aufbereiten kann, dass alle Initiativen darauf zugreifen können.

2. Finanzierungsgruppe

Folgende Frage stand hier im Zentrum: Wie finanzieren sich die IT-Serviceanbieter? Dazu wurde die bewährte Business Plan Canvas-Methode angewendet. Nachgedacht wurde auch über regelmäßige Beitragszahlungen durch Mitgliedsorganisationen mit IT-Bedarfen nach dem solidarischen Prinzip. Eine großangelegte Kampagne für zivilbürgerliche IT-Infrastrukturen könnte helfen, Stiftungen und Großspender anzuwerben. Doch dazu braucht es eine klare Vision, um Begeisterung zu wecken. Weitere Ideen wurden festgehalten: Lokale Open-Source-IT als Asset kommunizieren, Free Software Foundation Europe und Open Source Business Alliance als Partner gewinnen, ein Label ausarbeiten, SAP-Stiftung & -Gründer anfragen u.v.m.

Die IT-Serviceanbietenden sollten ein umfangreiches Produktportfolio entwickeln:

  • Internetseiten für Organisationen, Integration von Nextcloud, Einbindung eines Wiki-Systems, Chat usw.
  • teilweise bietet fairkom diese Dienste bereits an und ermöglicht den Zugang mit nur einem Login (Single-Sign-On mit “fairlogin”)
  • insbesondere Benutzerfreundlichkeit wurde als wichtig erachtet
  • auch bestand die Überlegung, die Plattform WECHANGE gemeinsam weiterzuentwickeln: Usability verbessern, Chat einführen, Nextcloud einbinden, Single-Sign-On (SSO)
  • und beliebt ist immer das Thema “Verwaltungssoftware”. fairkom setzt hier bspw. ERPnext ein. Diese Open-Source-Software scheint für KMUs und NGOs eine praktikable Lösung zu sein, denn sie beinhaltet auch die Möglichkeit, Buchungen, Homepage und Buchhaltung abzuwickeln.

3. Memorandum of Understanding für IT-Themen

Was macht die Software aus, die von Wandel-Organisationen eingesetzt werden soll? Wer bietet diese Software an und wie organisieren die Beteiligten gemeinschaftlich die Vermittlung zwischen Bedarfen und Lösungen? Diese Fragen konnten zwar nicht abschließend beantwortet werden, jedoch wurde eine gemeinsame Wertegrundlage erarbeitet, die von allen Beteiligten mitgetragen werden kann. Dies erfolgte in Form eines “Memorandum of Understanding” für IT-Bedarfe. Ein handelt sich um ein ähnliches Dokument wie bereits vom “Wandelbündnis” initiiert, bezieht sich aber auf die konkreten Anliegen der IT-Bedarfe, so spielen bspw. der Einsatz von freier Software eine Rolle.

Das Dokument wurde von den Beteiligten unterzeichnet, aber noch nicht veröffentlicht. Sobald der Ablageort des Dokuments vorliegt, werden wir es hier verlinken.

Anschließend wurde in der allgemeinen großen Runde darüber diskutiert, mit welchen Strukturen dauerhaft IT-Lösungen für Wandelorganisationen zur Verfügung gestellt werden können. Ziemlich einig waren sich alle darin, dass Standardsoftware fair und genossenschaftlich organisiert sein sollte.

Nachklang

Die Wandel-IT-Konferenz hat nicht im “luftleeren Raum” stattgefunden, sondern hängt inhaltlich mit verschiedenen anderen Projekten und Gruppen zusammen. Personelle Überschneidungen gibt es insbesondere mit der Initiative fairmove-IT und den Mitwirkenden des Wandelbündnisses. Daher kannten sich einige Teilnehmende bereits.

Bereits im Vorfeld wurde von der Initiative fairmove-IT der Beschluss gefasst, sich ins Wandelbündnis zu integrieren. Wie die gemeinsame Struktur aussehen sollte, war bislang unklar. Es wurde aber ein Vorschlag erarbeitet und etwa zwei Wochen nach der Wandel-IT-Konferenz wurde die Umsetzung beschlossen. Dabei wurde ein “Kreis Digitales” innerhalb des Wandelbündnisses ins Leben gerufen, in den alle bisher parallel laufenden Projekte unter einen Hut gebracht werden sollen. Also fairmove-IT, aber auch die Wandel-IT-Konferenzen. Allen Beteiligten waren die bisher vorhandenen Doppelstrukturen bewusst und sie freuen sich jetzt über eine elegantere Lösung. Der Integrationsprozess wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber personelle Verantwortlichkeiten sind im Zuge einer soziokratischen Wahl für diesen Kreis geklärt worden. Am 20. Mai 2019 wurden drei Personen soziokratisch gewählt, welche den Prozess weiter steuern und mit dem Koordinationskreis des Wandelbündnisses abstimmen werden: Michael Bakonyi vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, Roland Alton von fairkom und Andreas Sallam von DIGITAL BUILDERS.

Nächste Schritte

Eine nächste Zusammenkunft wird im Rahmen des Makers4Humanity-Treffen zu Pfingsten 2019 stattfinden. Geplant ist ein Hackathon zu ERPnext und Discourse und die Vernetzung von Activity Pub Föderationen. Nebenbei können in offener Atmosphäre Erfahrungen zu diversen IT- und Kommunikations-Plattformen ausgetauscht werden.

Eine nachfolgende Wandel-IT-Konferenz soll im Spätherbst diesen Jahres stattfinden. Der genaue Termin und Ort werden in Kürze bekannt gegeben. Parallel dazu läuft noch ein Prozess, bei dem weitere Organisationen ihre Bedarfe an IT-Lösungen abstimmen.

 

Titelbild: enthält CC-BY “Smileys by Olivia from the Noun Project”

4 Replies to “Erlebnisbericht von der 3. Wandel-IT-Konferenz”

  1. Danke, Peter, für den ausführlichen und mich inspirierenden Bericht! Ihr seid toll! Besonders würdige ich euer immer weiter Dabeiseins, selbst wissend, wie zäh es sein kann, wenn die Kräfte fehlen! Und so wünsche ich euch – und uns allen – , daß ihr sowohl eine ertragreiche Zeit im m4h Lab haben werdet, als auch stetig vorankommt plus der Kreis an aktiven Unterstützern wächst!!!
    Verbundene Grüße,
    Arwén

  2. Sorry, ich bin Programmierer der Anfangsjahre. Wir haben Datenbanken und Treiber noch selbst entwickeln müssen. Die heutigen Systeme setzen auf komplexe Systeme wie Bibliotheken und Frameworks auf, welche massivst unterwandert sind, von Konzernen angeboten werden usw. Viele der Open Source Entwickler bekommen “Schweigegelder” von den Konzernen, damit ihre “kostenlosen Systeme” nur soweit funktionieren, wie es dem Hobbyzweck erfüllt und die wirklich funktionierenden Lösungen der kommerziellen Anbieter nicht gefährden. Das ist ein Geschäftsmodell! Ihr Endanwender könnt nicht verstehen, dass Eure Anspruchshaltung – in erster Linie – auf graphischen und optischen Firlefanz die Grundlage der Macht über Eure Daten sind. Dass die Entwickler von heute Euch und Eure Daten an die Anbieter entsprechender Fertigpakete “verkaufen” und dabei nicht das geringste schlechte Gewissen oder Unrechtsbewußtsein haben. Ihr meint das Internet sei dezentral, weil man Euch doch die Geschichte vom dezentralen Netz und dem Atomkrieg der Anfangsjahre erzählte. Alles Bullshit, Eure Internetlösung ist per Cloud hyperzentral, von einer Sync-Lösung mit gewisser Dezentralität kann keine Rede mehr sein. Wer die IT-Geschichte kennt, der sollte sich mit Hermann Hollerith, Lochkarten, die Entstehung von IBM, mit der Kooperation mit den NAZIs, den Zusammenhang von IBM mit dem Hollocaust, dem Ursprung von Multics & Unix, Utility Computing, warum Bill Gates etc. ein Unfall der Geschichte ist, warum das CPU-Kraftwerk von einst (was scheiterte), die Cloud von heute (jetzt geht es technisch) ist … beschäftigen. Wenn Ihr Euch mit all diesen historischen Fakten der IT beschäftigt habt, versteht Ihr die Weltordnung 4.0 und warum jeder, der diesen Kreisen zuarbeitet, unbewusst an der Welt 4.0 mitarbeitet. Die Welt 4.0 wird eine SMARTE Diktatur sein. Aversionen gegen Hirarchie braucht Ihr nicht haben wenn Ihr hirarchische technische Lösungen unterm Strich befürwortet, einsetzt und es nicht mal merkt. Die Täuschung ist perfekt. Wenn Ihr das IT-technisch umsetzen wollt, was Ihr Euch vorstellt, dann lautet der Leitsatz “back to the roots”. Googlt mal nach dem Gopher Protokoll Port 70 was noch vor Port 80 und Tim Berners Lee und CERN kam. Wenig graphisches Schnickschnack, Rückführung auf das wesentliche und echte Standards usw. Aber ich weiss, ich rede gegen die Wand. Träumt Ihr von Eurer Change-IT, welche Euch in eine neue Zukunft bringen soll, welche Euch aber letztendlich in eine moderne smarte Diktatur integriert.

  3. Hallo Chris,
    ich bin Software/Hardware Co Designer und du sprichst mir in manchen Punkten aus dem Herzen.
    Leider reicht eine Lebenszeit nun mal nicht aus, um sich unabhängig zu machen. Das dürfte selbst auf dich zutreffen, wenn du deinen Kommentar nicht gerade über eine Z80, pdp 11, … oder MIPS Maschine geschrieben hast.

    Zudem: der „back to the roots“ Ansatz braucht eine Menge Zeit, Ruhe, Hingabe und Expertise. Den meisten Menschen fehlt mindestens eine dieser Eigenschaften.

    „Alles Bullshit, Eure Internetlösung ist per Cloud hyperzentral, von einer Sync-Lösung mit gewisser Dezentralität kann keine Rede mehr sein.“
    Diese Aussage klingt spannend. Mit meinen rudimentären Netzwerkkentissen vermag ich sie aber nicht zu beurteilen, sie klingt aber nicht korrekt. Beziehst du diese Aussage auf das TCP/IP-Referenzmodell allgemein, oder auf spezielle Cloud Maschienen ? Was meinst du damit genau ?

  4. Chris, du redest nicht gegen eine Wand – aber jedweder Inhalt deines Textes geht im Weltverschwörungswirrwarr einfach unter.. und wenn man mich fragt: zu recht.
    Hinzu kommt, dass du null relevantes ansprichst – Troll dich!

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