11 Vernetzungsplattformen für den Wandel – und unsere Meinungen dazu

Von 11 Plattformen haben wir uns ein sehr detailliertes Bild verschafft. Nun wollen wir Euch einen Überblick geben – aber nicht neutral, sondern aus unserer ganz persönlichen und unverblümten Sicht.

Vorwort

Im November haben wir damit begonnen, eine Themenreihe „Digitale Vernetzung der Wandelbewegung“ in unserem Blog zu veröffentlichen. Darin haben wir Vernetzungsplattformen porträtiert, die eine Alternative zu Facebook, Google und Co. darstellen wollen. Die Plattformen haben teilweise recht unterschiedliche Ansprüche, thematische Ausrichtung und damit verschiedene Funktionalitäten. Um einen Überblick zu bekommen, haben wir mit den MacherInnen hinter den Plattformen gesprochen und Interviews geführt. Im Zuge unserer Recherchen und Gespräche haben wir tiefere Einblicke gewonnen und uns bemüht, jede Plattform möglichst objektiv und neutral zu reflektieren.

Nun werden wir (Peter Hartmann und Markus Kollotzek) die Rolle des objektiven Beobachters bewusst verlassen, um emotionaler zu werden. Unsere völlig subjektiven Meinungen sollen Euch einen Andockpunkt geben, um kritisches Feedback zu geben und Euch in die Diskussion einzubringen.

Den ersten Teil unseres Fazits starten wir mit 11 schlaglichtartigen Meinungen zu den Plattformen, die wir bislang porträtiert haben. Los geht‘s.

1. Human Connection

Peter: hat viel Potenzial, interessante Funktionalitäten, kommt aber scheinbar nicht ins Rollen, hebt sich vom typischen öko-sozialen Graswurzelcharakter ab

Markus: professionelles Marketing, aber keine Facebook-Alternative, weil es nur 16 Themenkanäle gibt und nur eine Zielgruppen-Nische bedient wird. Die Medien-Auswahl, wo etwas über Human Connection veröffentlicht wird, ist nicht mein Geschmack.

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2. WECHANGE

Peter: prima nutzbare Plattform, erreicht noch die meisten Nutzer, viel Aktivität, bietet wunderbare Arbeitsmöglichkeit, Projekte zu organisieren, bietet aber nicht das, was Facebook bietet (Chat, klassische Social-Media-Funktionen wie Bilder / Videos / Beiträge)

Markus: das Forum ist sehr nützlich, weil man da sehr viele Menschen erreicht. Das Design gefällt mir nicht so sehr und sieht auf dem Handy komisch aus, trotzdem funktional eine gute Lösung für Projektorganisation und die einzige Genossenschaft unter den von uns interviewten Plattformen.

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3. COINSENCE

Peter: wunderbare Vision und ansprechendes Frontend, ist Facebook-ähnlich, neutraler Charakter jenseits der Öko-Hippie-Nische, das eigentliche Prinzip und die Währungsfunktionalitäten sind schwer nachvollziehbar, ich verstehe den Nutzen für mich im Alltag noch nicht, es gibt, glaube ich, auch keinen Chat, derzeit eine Zwischenlösung auf HumHub, soll aber blockchain-basiert gelöst werden, hat Budgetmangel, scheint daher nicht voran zu gehen, Marketing fehlt

Markus: praktisches Anwendungsbeispiel für HumHub, sehr weit denkender Initiator, kompliziertes Konzept, braucht solide Trägerschaft und Finanzierung, um weiter zu gedeihen

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4. Hubzilla

Peter: kann ich nicht einschätzen, vom Eindruck her nur von wenigen aktiv genutzt, optisch nicht ansprechend, wirkt unfertig, umständliche Menüführung, keine Chatfunktion

Markus: das dezentrale Konzept finde ich klasse, die Optik schaurig und was Benutzerführung angeht eine Katastrophe, ist aber eine sichere verschlüsselte Kommunikations-Infrastruktur und darauf können viele Apps aufsetzen

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5. Wandel.jetzt

Peter: eigentlich keine Vernetzungsplattform, derzeit optisch noch nicht ansprechend, die Screendesigns sehen aber ganz gut aus

Markus: cooles Konzept, so eine Art Infoportal für Städte und Regionen aufzuziehen und wiederverwertbar zu machen, auch die Anbindung von Transition Connect ist eine tolle Idee und schafft erste Verbindungen zwischen Plattformen

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6. ecobasa.org

Peter: sehr tolle Vision und Konzept, hohes Alleinstellungsmerkmal / hebt sich ab, leider wenig EntwicklerInnen, die das regelmäßig unterstützen, optisch guter Eindruck

Markus: leider sehr langsamer Fortschritt, aber starkes persönliches Netzwerk, sehr charismatischer Initiator, schöne Nutzungsidee, hängt gerade an der Finanzierung, sehr große Offenheit gegenüber Kooperation und Vernetzung

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7. Friendica

Peter: optisch mittlerweile ganz gut, wird noch nicht von vielen Leuten genutzt, es fehlt an der Skalierbarkeit, breite Mitte wird nicht erreicht, Programmierernische, hat einige Funktionen, mir fehlt aber der Chat

Markus: optisch hat sich viel getan, guter Funktionsumfang, sehr gut ist die Föderierung mit anderen sozialen Netzwerken wie Mastodon, Hubzilla und Co., tolles Tool, um viele Kommunikationskanäle von einem Punkt aus zu bedienen, trotzdem wenig verbreitet

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8. Stadtgestalten

Peter: aktuell nur lokal im Einsatz, lässt sich aber für alle Regionen skalieren, optisch gelungen, viele Funktionen, wird aber noch wenig genutzt

Markus: optisch sehr gelungen, tolle Bedienbarkeit, leider wenig Verbreitung, da Fördermittel ausgelaufen, sehr interessiert an Kooperationen und es wird viel Wert auf Open Source gelegt

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9. Communecter

Peter: optisch recht ansprechend, wirkt allgemein ausgereift und hat viele Funktionen, hat einen sehr gut integrierten Chat, im Prinzip nicht direkten Fokus auf öko-sozialen Wandel, sondern breite Mitte, überall nutzbar

Markus: technisch sehr umfangreich und gut durchdacht, für mich noch zu chaotisch in der Darstellung, Fokus auf französisch-sprachigen Raum, super Idee, soziales Netzwerk mit territorialer Suchmaschine zu kombinieren, nicht dezentral aber Open Source, eigentlich könnte Openbook hierauf aufsetzen, erleichtert bürgerschaftliches Engagement in der Nachbarschaft

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10. nebenan.de

Peter: optisch ansprechend, übersichtlich und hat lokalen Fokus auf Nachbarschaftshilfe, klarer Sinn und Motivation, sich dort anzumelden, nicht nur zur Vernetzung sondern aus praktischen Gründen, z.B. Tausch und gegenseitige Hilfe, funktionierendes Feedback

Markus: kein Open-Source-Projekt, sondern GmbH, Gewinnabsicht mit dem Wunsch, sich über Unternehmensprofile zu finanzieren, das anfangs investierte Geld muss irgendwie wieder reinkommen, ansonsten super praktisches Tool, hab ich selbst schon mehrfach genutzt, sehr starke Verbreitung in vielen Städten, wenn das Open-Source wäre, wäre vielen geholfen

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11. Openbook

Peter: gut ist die starke optische und funktionale Anlehnung an Facebook, damit potenzielle Nutzer keine großen Probleme haben, sich umzustellen. Freue mich darüber, dass auch in Holland Menschen aktiv an Vernetzungsplattformen arbeiten. Bin positiv überrascht, dass die mediale Verbreitung viel höher ist als bei allen anderen Plattforminitiativen. Was machen die bloß anders?

Markus: mir stellt sich die Frage, warum wieder einmal jemand losrennen muss, um den nächsten Facebook-Killer zu entwickeln, wenn es eigentlich schon fast alles gibt – wie z.B. Communecter, das man optisch lediglich etwas schicker machen müsste. Trotzdem ansprechende Idee, weil einfach und große Zielgruppe. Prominente Unterstützung durch PGP-Erfinder, sicherheitstechnisch sehr fortschrittlich

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Fazit

Sicherlich gibt es noch eine weitere Plattform, die wir vielleicht noch nicht kennengelernt haben. Wenn Du eine kennst, die hier fehlt, schreib uns gerne eine Nachricht.

Dieser Artikel ist ein erster grober und subjektiver Überblick über die einzelnen alternativen Vernetzungsplattformen. Im nächsten Artikel werden wir ein provokanteres Zwiegespräch führen, in dem wir plattformübergreifende Themen identifizieren und unseren Meinungen freien Lauf lassen.
Es bleibt spannend!

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7 Antworten auf „11 Vernetzungsplattformen für den Wandel – und unsere Meinungen dazu“

    1. Danke für die weiteren Links. Hast du auch eine Einschätzung zu den Plattformen?
      Ansonsten können wir uns die Plattformen auch einmal anschauen und ggf. mit den MacherInnen Interviews zu führen.

    1. Na klar, das liegt daran, dass wir mit dir noch kein Interview geführt haben. Sollten wir nachholen und euch einen vollen Blogartikel widmen!

  1. https://transition-muc.de will Bürger und Akteure vor Ort in München vernetzen, auf solider wirtschaftlicher Grundlage – einer Genossenschaft für den Wandel.
    Dafür brauchen wir auch eine Plattform. Wir sehen uns natürlich an, was es gibt, und hoffen, das so effizient und vernetzungs-förderlich wie möglich für alle hinzukriegen.

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